Unsere Fragen:

Was sind Ihre Vorschläge zu einer umfassenden Verkehrswende in Bamberg?

Werden Sie sich dafür einsetzen, dass die Bevölkerung im Bamberger Osten und Südosten mit Blick auf die Verkehrsentwicklung nicht weiter belastet wird und werden Sie sich gegen einen Ausbau der Armeestraße als sogenannte Spange für den Berliner Ring aussprechen?

Der Autoverkehr und die zugehörige Infrastruktur verbrauchen viel wertvolle Fläche, belasten das Klima durch CO2 Ausstoß und die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger durch Lärm und Schadstoffe. Gerade der Bamberger Osten und Südosten sind durch die dortigen Industriebetriebe, den Münchner und Berliner Ring sowie die Autobahn starken Belastungen ausgesetzt. Nur eine Reduzierung des Autoverkehrs führt zur Entlastung, während der Ausbau des Straßennetzes vielen Studien zur Folge immer dazu führt, dass der Autoverkehr zunimmt.

Die Antworten

Andreas Starke: Wir brauchen mehr Mobilität, aber weniger Verkehr. Die Verkehrswende gelingt, wenn deutlich mehr Bürgerinnen und Bürger auf umweltfreundliche Verkehrsträger umsteigen: Ich will den Busverkehr zum schnellsten Verkehrsmittel der Stadt machen, zusätzliche Linien in und aus dem Landkreis schaffen, die Busse zu unseren beiden Park- + Ride-Plätzen kostenlos anbieten, das Fahrradwegenetz ausbauen, die digitalen Informationsmöglichkeiten nutzen sowie Bahn, Bus, Rad und Auto bedienungsfreundlich vernetzen. Damit stärken wir den ÖPNV, schonen das Welterbe und schützen unsere Umwelt.
In der Bauleitplanung und in der Verkehrsplanung sollen zukünftig innovative Maßnahmen wie Car-Sharing, Parkplätze für Lasten-Pedelecs, Ladeinfrastruktur für E-Mobilität, verbindlich vorgesehen werden.

Zur Frage der Belastung im Bamberger Osten und dem Ausbau der Armeestraße:

Den Durchgangsverkehr im Osten und Südosten will ich verringern durch den Ausbau und die Erweiterung unseres – jetzt kostenlosen –Park & Ride-Systems. Insbesondere die Pendler-Fahrzeuge sollen am Stadtrand parken und nicht mehr die Wohngebiete belasten. Außerdem benötigen wir eine bessere Radwegführung vom Osten in die Innenstadt. Bei neuen Wohngebieten, zum Beispiel auf der ehemaligen Lagardekaserne oder dem Maiselgelände, muss von Anfang an eine leistungsfähige ÖPNV-Anbindung sichergestellt werden.
Die Zukunft der Armeestraße wird anders aussehen als nach den alten Festsetzungen des gestoppten Bebauungsplanes. Dennoch bleiben unveränderte Herausforderungen, nämlich beim Hochwasserschutz und sicheren Radwegen, die von der Bürgerschaft gewünscht werden. Dies wird Bestandteil des umfassenden Bürgerbeteiligungsprozesses sein.


Christian Lange: Die CSU und ich wollen die im Hinblick auf den Klimaschutz und den Erhalt des Welterbes dringend erforderliche Verkehrswende unter dem Schlagwort „Mobilität für alle“ realisieren. Das heißt: Schritt für Schritt und gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, nicht aber durch Verbote. Unter Beachtung eines gleichberechtigten Nebeneinanders aller Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer wollen wir konkret Folgende erreichen:

+ den ÖPNV ausbauen – in Zusammenarbeit mit dem Landkreis. Die kostenfreien Busangebote an den vier Adventssonntagen haben gezeigt, dass es durch solche Initiativen gelingen kann, die Anzahl der Menschen, die den Bus nutzen, zu steigern. In die gleiche Richtung zielen die Einführung des 365-Euro-Ticket und der kostenlose Bustransfer von den Park&Ride-Anlagen in die Innenstadt.
+ den ICE-Ausbau aktiv steuern und die Anbindung des Schienennahverkehrs in den Großraum Nürnberg verbessern. Die CSU und ich erkennen deshalb in S-Bahn-Halt Bamberg-Süd die Chance, dort einen neuen Drehpunkt für den ÖPNV – beispielsweise durch eine neue Verbindungslinie zum Klinikum – zu schaffen.
+ Fahrradverbindungswege sowohl innerhalb der Stadt – etwa zwischen den Schulstandorten im Bamberger Osten und der Innenstadt – sowie vom Landkreis in die Stadt durch „Fahrradschnellverbindungen“ einführen.
+ wir wollen des Weiteren die Bushaltestellen barrierefrei ausbauen, Straßenquerungen für Fußgänger wie Radfahrer verbessern, Schlaglöcher auf Gehwegen wie Straßen ausbessern und einzelne Verkehrsprojekte wie die Erneuerung der Buger Brücke dazu nutzen, auch einen breiten Fuß- und Radweg zu bauen.
+ wir wollen die Förderung von Lastenpedelecs fortführen und auch Familien antragsberechtigt machen, damit gerade der Handwerks- oder Reiseverkehr in der Innenstadt reduziert werden kann.
+ wir werden die Busflotte der Stadtwerke unter dem Blick der Schadstoffeinsparung umrüsten und wollen Anreize für Taxen bieten, um diese auf schadstoffarme Antriebsformen umzurüsten. In Hallstadt fährt beispielsweise bereits ein Elektrotaxi.

Werden Sie sich dafür einsetzen, dass die Bevölkerung im Bamberger Osten und Südosten mit Blick auf die Verkehrsentwicklung nicht weiter belastet wird und werden Sie sich gegen einen Ausbau der Armeestraße als sogenannte Spange für den Berliner Ring aussprechen?

Den Ausbau der Armeestraße halten die CSU und ich unter dem Gesichtspunkt des Starkregenschutzes für erforderlich. Wir möchten, dass die Bevölkerung des Bamberger Ostens durch ein neues Wasserauffangsystem entlang der Armeestraße vor Überflutungen geschützt wird. Wir treten daher für einen Geh- und Radweg ein und können uns an der Kreuzung der Moosstraße hin zur Armeestraße auch einen Kreisverkehr vorstellen. Wichtig ist uns eine vernünftige Querungshilfe vom Sportgelände des Reitvereins in den Hauptsmoorwald. Eine Aufwertung der Armeestraße als Entlastungsstraße für den Berliner Ring erscheint uns aus heutiger Beurteilung nicht erforderlich.


Jonas Glüsenkamp: – Wir machen JETZT den öffentlichen Nahverkehr attraktiv für alle. Wir führen in Zusammenarbeit mit dem Landkreis das 1 €-Tagesticket ein und bauen den ÖPNV aus.
– Wir schaffen JETZT mehr Raum für alle in der Innenstadt: Schrittweise Einführung einer autofreien Innenstadt, ausgenommen sind Anwohner- und Lieferverkehr und die Anfahrt zu einzelnen Parkhäusern. Mehr Platz zum Flanieren und für Begegnung.
– Wir verbessern JETZT endlich die Infrastruktur für und die Sicherheit auf dem Rad: Umsetzung der Ziele des Radentscheids wie Fahrradstraßen, Radschnellwege und Maßnahmen für die gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer zum Schutz von Radfahrern.
– Mehr freie Flächen für uns JETZT: Ausbau des Carsharings und Konzeption eines intelligenten und gut sichtbaren Parkleitsystems an den Einfallstraßen. Ausbau der Park-and-Ride Plätze und Erweiterung zu Mobilitätsstationen, an denen wir bequem das Verkehrsmittel wechseln können.
– Finanzielle Mittel für ÖPNV und Radoffensive JETZT: Anpassung der Parkgebühren und des Anwohnerparkens zugunsten einer ÖPNV- und Rad-Offensive.

Zur Frage: Werden Sie sich dafür einsetzen, dass die Bevölkerung im Bamberger Osten und Südosten mit Blick auf die Verkehrsentwicklung nicht weiter belastet wird und werden Sie sich gegen einen Ausbau der Armeestraße als sogenannte Spange für den Berliner Ring aussprechen?

…JA und JA


Ursula Redler: Eine Verkehrswende erfordert eine veränderte Schwerpunktsetzung bei der Prioritätensetzung der verschiedenen Verkehrsarten. Der KfZ-Verkehr wird dabei zwangsläufig zurückgefahren werden müssen; der Rad- und Fußgängerverkehr stärker ausgebaut bzw. berücksichtigt werden müssen. Für die Bamberger Allianz hat die Verbesserung des ÖPNV-Angebotes – auch zwischen Stadt und Landkreis – einen besonders hohen Stellenwert.

Vor dem Hintergrund des Bürgerentscheids Muna sehen wir es als notwendig an, die Bevölkerung im Bamberger Osten und Südosten bezüglich der Verkehrsentwicklung nicht weiter zu belasten. Eventuelle Maßnahmen bedürfen einer positiven Abstimmung im Rahmen einer echten Bürgerbeteiligung. (Dabei darf Bürgerbeteiligung nicht wie bisher als bloße Bürgerinformation verstanden werden.)

Der mögliche Ausbau der Armeestraße gehört zu den Themen, die mit der Hauptsmoorwald-Initiative abgestimmt werden müssen. Die ursprüngliche Planung im Rahmen des Bebauungsplanes Muna ist generell obsolet.

Eine Idee zur Entlastung und Entzerrung ist ein Multifunktions-Verkehrsknotenpunkt in der Südflur, nicht mitten in der Gereuth mit S-Bahnhalt und ROB mit Anbindung zur Polizeizentrum, HWK und Arena.


Claudia John: Die Verkehrswende muss ALLE Verkehrsteilnehmer in die Pflicht nehmen, bzw. hier Angebote schaffen. Angefangen bei den Fußgängern muss das Laufen in der Stadt attraktiv bleiben. Hierfür müssen Überwege geschaffen werden, damit die Fußgänger sicher ans Ziel kommen (z.B. im Bereich des neuen Zentrum Welterbes).

Das Radwegenetz muss sicher ausgebaut werden und sinnvoll in den bestehenden Verkehr eingebunden werden.  Hierzu zählt für mich kein künstliches Einflechten in den Autoverkehr, sondern breite sichere Radwege, die man auch gut mit Kindern befahren kann. Zudem muss es ausreichend Möglichkeiten geben, sein Fahrrad sicher abzustellen, sei es durch Radbügel oder an festen Fahrradparkplätzen.

Der Autoverkehr darf nicht pauschal verteufelt werden. Bamberg ist eine Pendlerstadt, sowohl im Bereich des Einpendelns, als auch des Auspendelns. Hier ist es wichtig, die Verkehrsströme sinnvoll zu lenken, und über Pendlerparkplätze (z.B. S-Bahnhalt Süd) die Möglichkeit für Fahrgemeinschaften zu erhöhen. Durch einen besseren Ausbau des P+R-Systems, sowie des ÖPNV wäre es durchaus möglich, den Verkehr zu reduzieren.

Zur Frage zur Verkehrsbelastung in Bamberg Ost und zum Ausbau der Armeestraße?

Der Bevölkerung in Bamberg-Ost wäre toll geholfen, wenn bestehende Radwege verbreitert werden würden (z.B. Zollnerstraße, Memmelsdorferstr.). Diese könnten in begrünter Form als „Fahrradschnellweg“ ausgebaut werden, so dass dieser Stadtteil zudem begrünt wird. Sollte es zur geplanten Schließung der AEO kommen und sollte dieser Stadtteil für Wohnbebauung zur Verfügung stehen, muss auch über die Armeestraße als mögliche Zufahrt diskutiert werden. Daher möchte ich einen mögliche Ausbau nicht kategorisch ausschließen.


Daniela Reinfelder: Wir sehen die Möglichkeit mit einer Seilbahn im Westen und damit einer Erschließung vom Laubanger über den Michaelsberg bis zum Klinikum die Bürger zu entlasten. Darüber hinaus benötigt Bamberg einen gesunden Mix der Verkehrsteilnehmer. Bei der Armeestraße halten wir einen Ausbau mit einem beleuchteten Fuß- und Radweg dringend geboten, um die Verkehrssicherheit für alle Teilnehmer zu gewährleisten.