Unsere Frage:

Mit welchen Maßnahmen wollen Sie das Ziel der Klimaallianz, bis 2035 den Energiebedarf der Region zu 100% aus erneuerbarer Energie zu decken, umsetzen?

Die Notwendigkeit von Klimaschutz und einer Energiewende sind angesichts des Klimawandels mit Hitzesommern und Baumsterben sowie angesichts der kaum zurückgehenden Treibhausgasemissionen unübersehbar. Konsequentes Handeln ist auf allen Ebenen dringend geboten!

Die Antworten

Andreas Starke: Die Stadtwerke Bamberg gestalten unsere regionale Wertschöpfung in den Bereichen Energie, Telekommunikation und Mobilität. Als Oberbürgermeister unterstütze ich die Lösungsstrategien zur Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen, wie sie die Digitalisierung, der demografische Wandel oder die Energiewende mit sich bringen.

Die Stadtwerke Bamberg betreiben aktuell insgesamt 19 Photovoltaikanlagen. Diese generieren Strom für rund 660 Drei-Personen-Haushalte. In den vergangenen Jahren wurden drei Anlagen neu errichtet: 2018 auf dem P+R-Parkplatz Kronacher Straße. 2019 auf dem Gesundheitszentrum Ulanenpark, der Strom wird dabei überwiegend direkt in den Gebäuden im Rahmen des angebotenen Mieterstrommodells verbraucht, und ebenfalls 2019 eine Photovoltaik-Anlage auf einer Lagerhalle am Margaretendamm zur überwiegenden Eigenstromnutzung der Stadtwerke. Das will ich ausbauen und zusätzliche Anlagen errichten lassen.

Zudem sind die Stadtwerke derzeit an 5 Windparks beteiligt. Davon sind zwei in Franken und einer in der Oberpfalz. Aufgrund der 10-H-Regelung ist der Windkraftausbau in Bayern zum Erliegen gekommen. Weitere regionale Beteiligungsmöglichkeiten werden gesucht und ich will unterstützen, dass die Windkraft auch in unserer Region bei der regenerativen Engergieerzeugung einen neuen Schub erhält.

Bei der Wärmeversorgung setze ich auf eine energieeffizente Wärmeversorgung und Nutzung von Abwärme sowie Kraft-Wärme-Koppelung in Kombination mit regenerativen Energieträgern. Schwerpunkte des Wärmeausbaues waren einerseits die Innenstadt und anderseits abgeschlossene Baugebiete und Stadtteile. In der Innenstadt wurden in den letzten Jahren das ERBA-Gelände und die Leitungstrasse Königstraße bis Nürnberger Straße erschlossen. Dieser Ast wird 2020 bis zum Atrium und Landratsamt erweitert. Die Stadtgebiete Gereuth, 1860er-Gelände, Schaeffler 2.0, Hochgericht, Föhrenhain und Ulanenpark wurden mit Nahwärme erschlossen.

Durch die Energiewende und insbesondere der damit einhergehenden Elektrifizierung des Mobilitäts- und Wärmesektors steigt der Bedarf an Flexibilität. Wir beteiligen uns aktuell an einem Forschungsprojekt, in dem sie zusammen mit der Robert Bosch GmbH stationäre Brennstoffzellensysteme (SOFC) im Stadtgebiet Bamberg erprobt werden. Für die Lagarde-Kaserne ist dies eine zusätzliche Chance, um das Energieziel 2035 zu erreichen.

Für die Zukunft planen wir gleich zwei herausragende Projekte: Das  Wärmenetz 4.0 Lagarde und ein Heizwerk mit Hackschnitzeln in der Gereuth/Südflur: Das sind wichtige Bausteine, um den Energiebedarf aus erneuerbaren Energieträgern zu decken.


Christian Lange: Wir wollen das Ziel einer Klimaneutralität in einer gemeinsamen Kraftanstrengung mit allen Bürgerinnen und Bürgern durch ein ganzes Bündel von Maßnahmen erreichen. Dazu gehören beispielsweise Initiativen wie

+ die weitere energetische Sanierung von Gebäuden;
+ die oben beschriebene Mobilitätswende;
+ die Umgestaltung der Energieversorgung auf klimaneutrale Energieformen, wie sie derzeit auf der Lagarde-Kaserne projektiert wird;
+ den Ausbau des Angebots von regionalen Produkten und die Vermeidung von Plastik und Einwegsystemen;
+ die Renaturierung von Grünflächen und das Pflanzen von mehr Bäumen auf Flächen, die der Stadt oder von der Stadt verwalteten Stiftungen gehören.


Jonas Glüsenkamp: Ich will die Stadtwerke zu Klimawerken machen, die auch selbst in erneuerbare Energieprojekte investieren. Auf dem Gebiet der Stadt brauchen wir eine Erhebung welche öffentlichen Gebäude mit PV-Anlagen ausgestattet werden können. Alle neu entwickelten Wohngebiete sollen unter neuesten energetischen Standards gebaut werden. Darüber hinaus will ich mich im Städte- und Gemeindetag dafür einsetzen, dass die 10H-Regelung in Bayern gekippt wird und die Windkraft nicht weiter ausgebremst wird. Darüber hinaus müssen wir weiter in die Gebäudesanierung investieren und bei den Schulen beginnen.


Ursula Redler: In einer Stadt kommt insbesondere die intensive Nutzung der Sonnenenergie infrage. Andere Initiativen – wie z.B. häusliche Wärme-Kraftkopplung, oder „Balkon-Kraftwerke“ – müssen im Einzelfall geprüft und dann nach Möglichkeit unterstützt werden. Konkrete Fördermaßnahmen durch die Stadt gilt es hier zu prüfen.
Grundsätzlich kann eine Stadt durch gemeinsame Maßnahmen mit anderen Gebietskörperschaften die Gewinnung von erneuerbarer Energie steigern.


Claudia John: Man darf nicht vergessen, dass die meisten Gesetze, die hierfür relevant sind, auf Bundesebene beschlossen werden müssen. Durch die oben genannten Projekte und Ideen können wir in unserer schönen Stadt einen wesentlichen Beitrag leisten. Durch den Ausbau des Radwegenetzes und des ÖPNV müssen die Anreize so hoch sein, dass das Auto freiwillig stehen gelassen wird.


Daniela Reinfelder: Energie muss vor allem für die Vielzahl der Bambergerinnen und Bamberger bezahlbar bleiben. Deshalb setzen wir auf neue Technologien und einen bunten Mix von Energieträgern.