Unsere Fragen:

Welche Konzepte zur Eindämmung des Flächenverbrauchs haben Sie und halten Sie eine Null-Netto-Neuversiegelung bei der zukünftigen Stadtentwicklung für realisierbar?
Können Sie sich bzgl. benötigter Gewerbeflächen eine Kooperation mit den Gemeinden im Umland vorstellen?

Der Flächenverbrauch mit 10 ha pro Tag zählt zu einem der dringendsten Umweltprobleme in Bayern. In Bamberg als wachsende Stadt mit sehr begrenzten Flächenressourcen ist ein möglichst sparsamer und innovativer Umgang mit Flächen erforderlich. Naturräumliche Grenzen müssen anerkannt und Bodenversiegelung vermieden werden.
Als negative Beispiele der jüngeren Vergangenheit sehen wir die Firmen Brose und Sperber mit den großflächigen, ebenerdigen Parkplätzen.

Die Antworten

Andreas Starke: Brose und Sperber sind keine negativen Beispiele, sondern wichtige Bausteine, um die wirtschaftlichen und finanziellen Grundlagen der Stadt für die Zukunft zu sichern. Es geht auch um Arbeitsplätze. Es ist unsere Aufgabe Ökologie und Ökonomie miteinander zu verbinden. So ist es insbesondere bei den Erweiterungsplänen der Firma Brose in der Breitenau gelungen, mit dem Bund Naturschutz einen vernünftigen Kompromiss zu erzielen. 95 Prozent der Flächen des Sonderlandeplatzes sollen als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Diese Empfehlung werde ich nach Kräften bei der Regierung von Oberfranken, die letztlich entscheidet, unterstützen. Dieser Kompromiss ist ein Vorbild für andere Projekte zur Eindämmung des Flächenverbrauchs.
Ein weitere Vorschlag: In jedem Bebauungsplanverfahren muss ein sorgfältiger Umgang mit den begrenzten Flächenressourcen, vor allem für Natur und Umwelt, garantiert werden. Gerade im innerstädtischen Bereich muss es ausreichende
Grünflächen geben. Darauf muss in Zukunft stärker geachtet werden.

Zur Frage: Können Sie sich eine interkommunalen Zusammenarbeit vorstellen?

Ja. Am besten gelingt die gewünschte Kooperation zwischen Stadt und Land bei den Gewerbeflächen, wenn eine interkommunale Zusammenarbeit nach dem Vorbild anderer Regionen vereinbart wird. Bei uns gibt es gute Anknüpfungspunkte: Schon jetzt arbeiten die beiden Wirtschaftsförderungen in Stadt und Landkreis konstruktiv und vertrauensvoll zusammen, wobei gerade die stadtrandnahen Gemeinden mit ihrem Flächenpotential für gemeinsame Entwicklungen gewonnen werden müssen. Die daraus entstehenden Gewerbesteuern werden dann gerecht verteilt. Zudem will ich einen gemeinsamen Wirtschaftsreferenten aus Stadt und Land ins Leben zu rufen, um damit auch neue Kooperationsformen zu fördern. Es ist meine feste Absicht, so eng wie möglich zusammen zu arbeiten.


Christian Lange: Die Eindämmung des Flächenverbrauches ist für die CSU und mich ein wichtiges Ziel der künftigen Stadtentwicklung. Frühere Generationen haben uns mit dem Hain, dem Volkspark oder der Kulturlandschaft rund um den Michelsberg vorgemacht, wie gelungene Stadtentwicklung aussehen kann. Die CSU und ich wollen deshalb beispielsweise bei Neubauprojekten prüfen, ob ein Bau in die Höhe möglich ist, so dass keine neuen Flächen versiegelt werden müssen. Am Ulanenpark in der Wunderburg ist dies in Form der Wohnbebauung über einem lokalen Einkaufsmarkt gelungen. Angesichts der wachsenden Einwohnerzahl und des angespannten Wohnungsmarkt besteht aber auch Bedarf nach Ausweisung neuer Wohnflächen. Wir wollen hier einen guten Kompromiss finden.
Was das Thema Brose-Erweiterung angeht, so ist es auch der Wunsch der CSU, dass die Anlage weiterer Parkflächen entweder mehrstöckig oder unterirdisch erfolgt. Einen ebenerdigen Parkplatz lehnen wir ab.

In Bezug auf den Laubanger gibt es eine solche Kooperation bereits mit der Stadt Hallstadt. Ebenso hinsichtlich der Arbeitsgemeinschaft Bamberg-Bischberg-Hallstadt-Hirschaid. Ich kann mir solche Modelle der Zusammenarbeit zwischen einer oder mehrerer Landkreisgemeinden mit der Stadt in einer geeigneten Rechtsform gut vorstellen – vielleicht in einem gemeinsamen Zweckverband, der auf der einen Seite wirtschaftliche Zusammenhänge realisiert und auf der anderen Seite Mobilitäts-, Energieversorgungs- oder andere Leistungen organisiert.


Jonas Glüsenkamp: Die oben genannten Beispiele sind im Hinblick auf den Flächenverbrauch Ansiedlungsprojekte aus dem vergangenen Jahrhundert. In Städten, in denen die Flächenpreise höher als in Bamberg sind, wird deutlich verdichteter und auch höher gebaut. Die Zeiten von ebenerdigen Parkpaletten sind vorbei. Es muss geprüft werden, wo vorhandene Parkpaletten überbaut werden können. Um das Ziel der Null-Netto-Neuversieglung erreichen zu können, müssen wir auch offensiv über Entsiegelung nachdenken.


Ursula Redler: Der Verbrauch von Neuflächen kann am wirksamsten durch die Neuwidmung aufgelassener Altflächen eingedämmt werden. Hierzu bedarf es einer umfassenden Erfassung aller geeigneter Flächen im Stadtgebiet.

Eine Kooperation mit den Gemeinden im Umland bei der Aufwendung von gewerblichen Neuflächen ist für uns grundsätzlich denkbar und sollte auch möglichst bald thematisiert werden. Dazu gehört die Notwendigkeit, einkommende Gewerbesteuer zwischen den beteiligten Gemeinden aufzuteilen.


Claudia John: Da Bamberg geographisch gesehen wenig Wachstumsmöglichkeiten ins Umland hat, muss mit den vorhandenen Flächen sinnvoll umgegangen werden. In Österreich befindet sich unter neuen Supermärkten meist eine Tiefgarage, um den Flächenverbrauch hierfür zu minimieren. Wir sind eine wachsende Stadt und sind auch verpflichtet, Wohnraum und Gewerbeflächen zu schaffen. Von den Gewerbesteuern werden viele Projekte auch im Bereich Umweltschutz mitfinanziert. Bei der Wohnbebauung muss ein für das Stadtbild und die Umwelt verträgliches Bauen angewendet werden, d.h. auf kleineren Flächen höher Bauen. Im Bereich des Gewerbes spreche ich mich wie oben erwähnt für ein „Grünes Gewerbegebiet“ aus. Flächen, die durch Umsiedlung von Gewerbe aus der Stadt hierhin frei werden, könnten renaturiert werden.


Daniela Reinfelder: Wir halten eine Null-Netto Neuversiegelung für nicht zielführend. Bei der Ausweisung von neuen Flächen gilt es per Gesetz stets einen Ausgleich herbeizuführen. Wir sind der Meinung, dass dies ausreicht. Eine Kooperation mit den Gemeinden im Umland ist immer sinnvoll.