Ein Jahr Bürgerentscheid – und nun?

Vor einem Jahr, am 18.11.2018, haben die Bambergerinnen und Bamberger im bislang größten Bürgerentscheid der Stadt ein klares Votum für das Bürgerbegehren „Für den Hauptsmoorwald“ abgegeben. Damit wurde der Bebauungsplan Nr. 429 für eine gigantisches Industrie- und Gewerbegebiet im Hauptsmoorwald eindeutig beendet! Das war es, oder doch nicht?

Seitdem fordern wir als erste Maßnahme die Unterschutzstellung des Waldes, bis jetzt ohne Erfolg.

Unser gemeinsames Engagement für den Hauptsmoorwald, ist weiterhin notwendig.

Deswegen haben wir einige Aktionen rund um den Jahrestag des Bürgerentscheids geplant.

Was könnt Ihr tun?

1.Bekräftigt Eure Forderung zum Schutz des Waldes: Schreibt einen Forderungsmail oder einen Forderungsbrief vor dem 19.11. an die Stadtspitze zur Unterschutzstellung des Waldes.

Eine Mailvorlage / Briefvorlage und Anleitung könnt ihr hier runterladen.

Denn am 19.11.2019 tagt der Konversionssenat. Dabei werden zwei Anträge von uns zur Schutzgebietsausweisung von Wald- und Naturflächen im Bereich des ehemaligen Bebauungsplanes behandelt.

2.  Feiert mit uns am 16.11.2019 von 11 bis 16 Uhr den Jahrestag des Bürgerentscheids am Gabelmann. Wir informieren Euch und haben einige Überraschungen dabei.

3. Farbe bekennen im Konversionssenat: 19.11.2019 ab 15:30 Uhr. Wenige Monate vor der Kommunalwahl haben unsere Stadträte nun die Möglichkeit den vielen Bekenntnissen zum Respekt des Bürgerentscheids auch endlich Taten folgen zu lassen, wenn es um die Entscheidung zu unseren Anträgen geht. Um sie zu motivieren laden wir euch ein, zahlreich an der öffentlichen Sitzung des Konversionssenats (Großer Sitzungssaal des Rathauses) teilzunehmen. Bereits ab 15.30 Uhr werden wir uns vor dem Eingang mit einem Transparent „Munawald schützen – Bannwald jetzt!“ positionieren und die eintreffenden Stadträtinnen und Stadträte empfangen. Sei dabei!“


Forderungen – Hauptsmoorwald erhalten – Bamberg nachhaltig gestalten

Vor einem guten Jahr haben wir mit über 100 Bürger aus dem ganzen Stadtgebiet die Bürgerinitiative „Für den Hauptsmoorwald“ gegründet.

Wir haben uns in den folgenden Monaten mit mehreren Petitionen, einer starken Mobilisierung, diversen Demonstrationen und einem Bürgerbegehren erfolgreich gegen den gigantischen Bebauungsplan 429 zur Wehr gesetzt.

Wie viele Bamberger, stellen auch wir uns die spannende Frage, wie es nun weiter geht? „Eindeutig ist für uns, dass sich die Bamberger/innen am 18.11.2018 im Bürgerentscheid mit überwältigender Mehrheit für den Erhalt von Wald- und Naturflächen auf der Muna und gegen ein Industrie- und Gewerbegebiet ausgesprochen haben. Zugleich wurde aus unserer Sicht mit dem Entscheid ein deutliches Signal an die Bamberger Politik gesendet, zukünftig bei Fragen der Stadtentwicklung für mehr Umwelt-, Klima-, Natur- und Gesundheitsschutz einzutreten!“, so Björn Scharf.

„Darüber hinaus war der Bürgerentscheid aber auch ein ebenso deutlicher Hinweis bei Bebauungsplänen solcher Größenordnung nicht nochmals an den Bürgern vorbei zu planen“ ergänzt Stefan Kurz. Zukünftig gelte es, „die Bürger in einen Beteiligungsprozess einzubeziehen, der diesen Namen auch verdient und über rein formale Anforderungen deutlich hinausgeht“, so Kurz weiter.
Mit großer Verwunderung nehmen wir zur Kenntnis, dass seit dem Bürgerentscheid aus Stadtrat und Parteien immer wieder neue Vorschläge zur Beplanung und Bebauung auf der Muna veröffentlicht wurden.

„Die monatelang als „alternativlos“ bezeichneten Planungen für Gewerbe- und Industrieflächen sind vom Tisch und werden einfach durch Wohnbebauung oder Ähnlichem ersetzt. Das bestätigt ein gewisses Misstrauen in der Bevölkerung gegenüber den politisch Verantwortlichen.“, so Karin Einwag. „Nicht nur wir stellen uns die Frage, welche Schlüsse eigentlich aus dem Bürgerentscheid gezogen wurden, wenn nun Wald- und Naturflächen zwar nicht mehr für Gewerbe und Industrie geopfert, dafür aber unter Wohnbebauung begraben werden sollen?“, sagt Einwag weiter.
Besonders irritierend sind solche Vorschläge vor dem Hintergrund, dass sich Stadtspitze und Vertreter/innen aus verschiedenen Parteien als Erstunterzeichner für das Volksbegehren „Artenvielfalt“ eingesetzt haben. „Artenschutz ohne den Erhalt von Naturflächen ist aber nicht möglich!“, betont Martin Bücker.

Dennoch sehen wir Ansätze für eine politische Kurskorrektur in Bamberg, da nicht nur das Volksbegehren für den Artenschutz, sondern auch das Engagement vieler junger Menschen in Bamberg für „Fridays for Future“ und den Klimaschutz positive Resonanz aus der Politik erhalten haben. „Ist beides ernst gemeint, sehen wir für die nächsten Monate gute Chancen für die Politik, verloren gegangene Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, wenn es um entsprechendes Handeln im eigenen Verantwortungsbereich geht: Im Umgang mit Fragen einer zukünftigen Stadtentwicklung, über Entscheidungen zum Schutz des Hauptsmoorwaldes und einen behutsamen Umgang mit den Naturflächen auf der Muna“ so Björn Scharf.  Aus unserer Sicht hat die Stadtpolitik nun die Chance, Bamberg zukunftsgerecht aufzustellen. In Entwicklungsprozessen, die auf Nachhaltigkeit ausgelegt sind, können gemeinsam mit den Bürgern Lösungen erzielt werden, um auch den klimatischen Veränderungen und dem Artensterben als zwei der größten Herausforderung der Gegenwart zu begegnen. Wir unterstützen Überlegungen nach einem Beteiligungsprozess,  haben aber an die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung drei essentielle Anforderungen.

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24 Stunden Messmarathon – Wie heiß ist es in Bamberg?

Über 5 Grad Temperaturunterschiede innerhalb des Inselgebiets

27.6. 2019: An bis zum Messtag heißesten Tag des Jahres wollten wir wirklich wissen, wie heiß es an verschiedenen Orten in Bamberg ist. Welche Rolle spielt der Wald, die Grünflächen in der Stadt und im speziellen der Hauptsmoorwald für die Temperaturentwicklung an einem heißen Tag.  Dazu haben wir an 4 Orten Temperaturmessungen durchgeführt, um auf die Bedeutung des Erhalts städtischer Grün- und Waldflächen hinzuweisen. Professionelle Temperaturmessgeräte, sogenannte Aßmann’sche Aspirationspsychrometer, durften wir uns dafür von der Uni Bayreuth ausleihen. Fachlich begleitet haben uns die Klimatologen Dr. Lüers von der Uni Bayreuth und Prof. Dr. Foken.

Stündlich waren wir unterwegs, gemessen wurde 24 Stunden lang vom 26.6. um 12 Uhr bis zum 27.6. um 12 Uhr an folgenden Standorten: Am Maxplatz, im Hain (beim Bootshaus), bei der AOK (Pödeldorfer Straße) und im Hauptsmoorwald (Startpunkt Trimm-Dich-Pfad: 200 m im Wald in der Verlängerung der Moosstraße). Als Referenz für offene ländliche Standorte diente die Wetterstation Bamberg in der Südflur. Diese gibt die Temperaturwerte an, die weitgehend unbeeinflusst von der Stadt sind.

Dabei zeigte sich, dass die Temperaturen auf dem Maxplatz und am Standort AOK sehr ähnlich sind, während an den anderen Messstellen die Werte im Schnitt etwa zwei Grad darunter lagen. An den Messtagen wehte immer etwas Wind, so dass die Differenzen bei windarmen Verhältnissen noch deutlich größer ausfallen könnten.

Aus den Ergebnissen der Messung geht hervor, dass die Temperaturdifferenz innerhalb der Stadt zu bestimmten Tageszeiten über fünf Grad Celsius betragen kann.

Besonders deutlich ist der Unterschied in den Abendstunden bis Mitternacht. Sowohl am Maxplatz als auch am Standort AOK wurden um 22 Uhr noch satte 31 Grad gemessen und um 24 Uhr immer noch 27 Grad. In vielen Wohnungen ist bei diesen Temperaturen an Schlafen nicht mehr zu denken. Der Unterschied zu der Bamberger Wetterstation in der Südflur beträgt in den Abendstunden bis zu 7 Grad (!) und gegenüber dem Hauptsmoorwald oder dem Bootshaus 4 bis 5 Grad. Die Temperaturen der verschiedenen Messstellen gleichen sich erst wieder am Morgen gegen 7 Uhr an.

Im Hauptsmoorwald ist es ständig etwa 3-4 °C kühler als in der Innenstadt und damit am Tag auch noch kühler als an der Wetterstation Bamberg. Dies erklärt sich durch das besondere ausgeglichene Waldklima.

Temperaturmessungen in Bamberg am 26.6.19 12 Uhr bis zum 27.6.19 12 Uhr. Schwarz: Maxplatz, Braun: AOK, Orange: Hain (Bootshaus), Dunkelgrün: Hauptsmoorwald. Von 1:00 Uhr bis 3:00 Uhr wurde nicht gemessen. Hellgrün: Werte der Wetterstation Bamberg in der Südflur

Der Klimaforscher Prof. Foken ergänzt: „Die Temperaturunterschiede an den einzelnen Standorten sind in der Messung gut nachzuvollziehen und zeigen die typische Bildung von Hitzeinseln in den Innenstädten. Hinzu kommt, dass die gemessene Lufttemperatur oft nicht dem Wärmeempfinden des Menschen entspricht. Wird die Sonneneinstrahlung von hellem Untergrund oder Hauswänden absorbiert, empfindet man die Situation, beispielsweise am Maxplatz, als noch heißer, als sie ohnehin schon ist.“

Am Maxplatz selbst wurde mit 36,8 Grad auch die Spitzentemperatur der 24-stündigen Messung registriert. Puh, da haben wir geschwitzt. 

Die Daten zeigen darüber hinaus, dass kaum ein Unterschied zwischen den Temperaturen in der Innenstadt und dem relativ dicht bebauten Bamberger Osten besteht. Deshalb sei die Frischluftzufuhr des direkt angrenzenden und großflächigen Hauptsmoorwaldes so wichtig, so Foken.

Durch die Bebauung der Muna hätte sich nach einem Wetterdienst-Gutachten und den Einschätzungen von Prof. Foken der Kalkluftvolumenfluss des Bamberger Ostens um circa ein Drittel reduziert.

Mit der Messung möchten wir auf die Wichtigkeit des Erhalts von Kältezonen in der Stadt hinweisen. Jonas Glüsenkamp, betont: „In den letzten Tagen haben viele Menschen gespürt, welchen Unterschied Temperaturdifferenzen von fünf Grad Celsius in der Nacht im Hinblick auf das Wohlbefinden und die Lebensqualität ausmachen. Wir müssen in Bamberg dafür kämpfen, die wenigen Grünflächen zu bewahren und durch zusätzliches Stadtgrün zu erweitern.“

Die Zahl der Hitzetage mit über 30 Grad stieg in den letzten Jahrzehnten in Bamberg kontinuierlich, von im Schnitt circa 5 Hitzetagen in den 60er Jahren, auf durchschnittlich um die 20 Hitzetage in den letzten Jahren an, Tendenz stark steigend. Die absoluten Spitzenwerte dieser Statistik liegen bei 30 Hitzetagen im Jahr 2003, bei 31 Hitzetagen im Jahr 2015 und bei 34 Hitzetagen im Jahr 2018. Im Jahr 2019 gab es bereits bis zum 27.6. 9 Hitzetage. Eine so hohe Zahl ist für den Juni sehr ungewöhnlich.

Erich Spranger weist auf die dramatischen Folgen des Klimawandels nicht nur im Hinblick auf die stark steigende Zahl der Hitzetage hin: „Aufgrund von Trockenheit und Wärme beginnen im Landkreis die Kiefern abzusterben. Im Bamberger Hain sind sogar bereits eine ganze Reihe älterer Buchen verdörrt.“ Spranger ist verzweifelt: „Außer Ankündigungen für die ferne Zukunft passiert leider in der großen Politik in Sachen Klimaschutz nichts. Und in der Lokalpolitik trauern einzelne Stadträte immer noch der Gewerbegebietsplanung im Hauptsmoorwald nach, bei der über 50 ha Wald gerodet worden wären.“

Jonas Glüsenkamp/Erich Spranger


Das sind wir – Die Bürgerinitiative

Ich engagiere mich für den Hauptsmoorwald, weil …

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So schön ist es in der Muna

Fotos: Hermann Bösche, Martin Bücker, Gerhard Spörlein